Die Prignitz gehört zu den ältesten deutschen Siedlungsgebieten östlich der Elbe. Von hier aus nahmen Christianisierung und Kolonisierung der Gebiete zwischen Elbe und Oder im 10. und 12. Jahrhundert ihren Anfang. Nach dem Wendenkreuzzug im Jahre 1147 ließen hier die neuen Territorialherren neben Markgraf Albrecht I, der die Hauptgebiete eroberte, der Bischof von Havelberg und die Edlen Herren von Gans und Plotho, neue Burgen im Schutze von Flussniederungen, die schon vor der deutschen Besiedlung von germanischen und slawischen Stämmen als Siedlungsgebiet genutzt wurden, gründen, um ihren eroberten Herrschaftsbereich und ihre Machtstellung zu sichern. Im Zuge der deutschen Besiedlung der Prignitz im 12. und 13. Jahrhundert errichteten die Edlen Herren Gans entlang der Stepenitz in Wittenberge, Perleberg, Wolfshagen und Putlitz eigene Burgen. In Perleberg wurde die Burganlage der „Gänse“ um 1180 spätestens jedoch 1200 errichtet. Die Gänseburg stand in den Gärten, die sich heute zwischen der Wittenberger Straße und dem Flüsschen Stepenitz entlangziehen. Diese Gegend wird seit alters her als sumpfig und von zahlreichen Wasserläufen durchzogen beschrieben. Noch im ältesten Stadtplan von Perleberg von 1726 ist hier eine große Flussschleife mit zwei kleinen Inseln eingezeichnet, von der heute nichts weiter übrig geblieben ist, als ein winziges mooriges Bächlein. Wo genau die Gänseburg stand ist nicht gewiss, doch wird in älteren Darstellungen das Gartengelände des Hotels „Stadt Magdeburg“ genannt, was mittelalterliche Mauerwerksreste im Kellergeschoss mit Klosterformatziegeln belegen. 1364 wird hier ein Acker "spacium agri ante domum Ganseborck" erwähnt - damals stand also noch ein Gebäude -, doch bereits 1542 ist nur noch von Gärten bei und auf der Gänseburg die Rede, denn nachdem die sogenannte „schwarze Linie“ des Adelsgeschlechts der Herren Gans in Perleberg um 1300 ausstarb, verfiel auch die Gänseburg. Die Beguinenstege und die Nachtigallstraße - jene beiden Gässchen, die heute zu diesem Ort führen - beginnen nur wenige Meter voneinander entfernt in der Wittenberger Straße, sodass man in der Tat genau aufs Straßenschild sehen muss, um nicht in die falsche Gasse zu laufen, denn die Nachtigallstraße ist nur eine Sackgasse und endet inmitten der Gärten. Der schon im 14. Jahrhundert erwähnte Grahlplatz, der sich in Blickweite des heutigen Hotels „Stadt Magdeburg“ befindet, wurde bereits im Mittelalter am Fuße der ehemaligen Gänseburg für Reitspiele und Turniere genutzt. Heute befindet sich auf ihm ein Gedenk- und Ehrenfriedhof gefallener Soldaten der Weltkriege.
Nachdem neben dem Burgbau auch die Stadtgründungspolitik durch die Edlen Herren Gans verfolgt und vorangetrieben wurde, entwickelte sich auf der größeren Stepenitzinsel die heute noch erlebbare Altstadt von Perleberg. Die gewachsene Stadt entstand aus zwei Stammsiedlungen St. Nicolai und St. Jacobi im frühen 13. Jahrhundert. Perleberg wuchs stetig mit Blütezeit im 15 Jahrhundert als eine der reichsten Städte der Mark Brandenburg. Als Hauptstadt der Prignitz war Perleberg durch seine verkehrsgeografisch günstige Lage Mitglied der Hanse.
Nach mehreren Stadterweiterungen im 18. und 19. Jahrhundert in Verbindung mit dem Chausseeausbau Richtung Wittenberge / Magdeburg wurde das Hotel „Stadt Magdeburg“ als Gastwirtschaft mit Unterkunft errichtet. Die erste quellenkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1843 zurück, indem der Gastwirt Genicke einen Anbau beim städtischen Baurat beantragt. Vordem wird die Gastwirtschaft schon einige Jahre in Betrieb gewesen sein, was aber anhand der Flurkarte des Schmettausches Kartenwerks nicht vor 1787 der Fall gewesen sein kann. Dem Gastwirt Genicke folgten im gastronomischen Betrieb ab 1869 die Gastwirte Otto Kind & Sohn, 1898 Herrmann Krüger, 1910 Hugo Schlagmann und 1937 Otto Berg. Unter den in den vorgenannten Jahren wechselnden Gastwirten wurden auch mehrfach bauliche Veränderungen am ursprünglich zum Teil als Fachwerkbau errichteten Hotel „Stadt Magdeburg“ vorgenommen. 1876 erhielt die Gastwirtschaft den noch heute vorhanden großen Saal und schon 1894 wurde ein Bühnenanbau, damals noch als Musikhalle bezeichnet, errichtet. Die straßenseitige Außenterrasse wurde 1938 großzügig als „Sommerveranda“ angelegt. Die beliebte Gaststätte diente nicht nur der Bewirtung von Gästen, sondern wurde auch Treffpunkt wichtiger gesellschaftlicher und politischer Ereignisse. 1946 fand hier die Vereinigung von KPD und SPD im Hotel „Stadt Magdeburg“ statt. Zu DDR-Zeiten wurde die Gaststätte „Stadt Magdeburg“ von der Konsumgenossenschaft unter Leitung des Ehepaares Vock betrieben und war die Perleberger Adresse für Familienfeiern. Mit dem Begriff „Stama“ verbinden heute noch viele Perleberger das gute und preisgünstige Aboessen durch die damals angebotenen Wochenkarten.
In Nachfolge dieser Gastwirtgenerationen wird das Haus Hotel Stadt Magdeburg als älteste noch betriebene Perleberger Gastwirtschaft traditionsbewusst weitergeführt.
Gordon Thalmann Juni 2007
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